Mittwoch, 1. September 2010
Donnerstag, 26. August 2010
Helfen macht stark
Die gute Tat – sie hilft nicht nur anderen, sie macht auch den Helfer stärker. Wie jetzt eine Harvard-Studie zeigen konnte, können moralische Handlungen und selbst der Gedanke daran, anderen zu helfen, die mentale Stärke eines Menschen deutlich erhöhen. Der Psychologie-Doktorant Kurt Gray erklärt sich das mit einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung:
“People perceive those who do good and evil to have more efficacy, more willpower, and less sensitivity to discomfort. By perceiving themselves as good or evil, people embody these perceptions, actually becoming more capable of physical endurance.”
Damit verkehrt Gray manche Vorstellung von angeborenem Selbstbewusstsein ins Gegenteil. Oder wie er sagt: “Gandhi oder Mutter Teresa sind womöglich gar nicht mit einer außergewöhnlichen Portion Selbstbewusstsein auf die Welt gekommen, sondern haben dies erst gewonnen, weil sie so vehement versucht haben, anderen zu helfen.”
Trackback / Quelle:
http://news.harvard.edu/gazette/story/2010/04/strength-in-naughty-or-nice/
http://karrierebibel.de/psycho-sammelsurium-wie-wirken-moral-fakes-fuse-geld/
(Foto: Pixelio.de – Rainer Sturm; überarbeitet Peter Varsek)
Montag, 23. August 2010
Donnerstag, 19. August 2010
Urteile nie zu schnell – Don´t judge too quickly
Vor kurzem hat jemand in Facebook ein Video gepostet, der es wert ist auch hier gezeigt zu werden. Und zwar geht es in diesem auch humorvollen Video mit seinen fünf Clips darum, dass wir stets dazu neigen zu schnell zu urteilen. Natürlich wurden die Clips ein kleines bisschen auf die Spitze getrieben, doch könnte die ein oder andere Szene jedem von uns passieren.
Das beste Mittel gegen ein zu frühes Urteilen ist immer noch: Fragen, fragen, fragen. Doch nicht immer ist das möglich. Vor einigen Monaten erwischte ich mich selbst, wie ich jemanden doch beurteilte. Ich stand im einem Einkaufscenter mit einem Bekannten in der Schlange vor der Kasse. Vor uns war ein älterer Mann. Vom Äußeren her gesehen hätte er irgendwie mal wieder eine Dusche vertragen können. Seine Haare waren fettig. Seine Kleidung schludderig. Kurzum: Nicht gerade gepflegt. Und auf dem Kassenband hatte er einige Flaschen Bier stehen, sonst nichts. Also gerade das, was meinen ersten Eindruck nur zu bestätigen schien. Ich sagte mir noch, dass ich den Herrn überhaupt nicht kenne, und mir eigentlich kein Urteil bilden dürfte. Nach dem Bezahlen liefen wir dann raus. Da sah ich den Mann von vorhin: Er packte seine Bierflaschen in seinen Jeep, das voll war mit Werkzeugen. Ich konnte mir ein lautes Lachen nicht verkneifen, habe ich mich doch erwischt, mich dem Vor-Urteil nicht wirklich entziehen zu können.
Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass wir sehr dazu neigen Dinge falsch zu interpretieren und zu beurteilen. Statt einfach zu glauben, dass die Dinge so sind, wie wir sie annehmen, sollten wir uns eher daran gewöhnen, dass wir mal nachhaken. Jetzt ist es aber so, dass uns eher die Angst bremst, dass wir “dumme” Fragen stellen könnten. Oder dass wir mit der Nachfrage erst Recht ins Wespennetz stechen könnten. Allerdings zeigt die Erfahrung dem, der als nachfragt, dass das Nachfragen eine konstruktive Kommunikation überhaupt möglich macht.
Mittwoch, 18. August 2010
Donnerstag, 5. August 2010
Die Freiheitserfahrung heute im christlichen Glauben
Heute bin ich in Facebook über eine Frage gestoßen, die eine Diskussion losgetreten hat: „Für viele Menschen hat das Christentum kein Gesicht, das zur heutigen Freiheitserfahrung passt. Wie sollen wir denn heute glauben? Was meint Ihr?“ Leider ist die Diskussion etwas vom eigentlichen Thema abgekommen. Doch diese Frage hat mich eine Weile beschäftigt. Interessant fand ich jedenfalls die unterschiedlichen Perspektiven. So ist z.B. bei einer Person vom „Lassen-Können“ statt „Tun-Können“ die Rede. Oder ein anderer schreibt, dass wahre Freiheit die Freiheit für und nicht die Freiheit von ist.
In meinem Umfeld habe ich auch sehr viele Freunde und Bekannte, die mit dem christlichen Glauben nichts am Hut haben. Es kommt immer wieder zu sehr interessanten Gesprächen über den Glauben. Doch noch immer beobachte ich ein entsprechendes Bild über den christlichen Glauben bei ihnen. Nämlich das Bild der Unfreiheit. Plump ausgesprochen: Sie denken, wenn sie zum Glauben kommen, wird ihnen alles verboten, was im Leben Spaß macht. Das beginnt bereits in der Frage nach dem Musikstil. Das geht (natürlich) weiter bei Kino und Video. Und auch beim Kleidungsstil wird nicht Halt gemacht. Das Erschreckende ist, dass selbst am Charakter gegängelt werden könnte.
Haben meine Freunde Recht? Oder bilden sie sich was ein? Sind das nur Ausflüchte, um ja etwas in der Hand zu haben, um sich nicht für Jesus zu entscheiden müssen, sondern neutral bleiben zu können? So wie ich die Dinge sehe, so ist sicherlich etwas von den Ausflüchten dabei. Doch leider haben sie in vielen Punkten auch Recht. Zu oft habe ich selber erleben müssen, wie Menschen, die zum Glauben gefunden haben, plötzlich mehr oder weniger eine Liste von Vorschriften erhalten haben. Und oft genug hatte ich Glaubensgeschwister hören müssen, die mir sagten, dass sie eher durch manche christliche Bücher Mut finden als durch die Bibel. Diese Glaubensgeschwister bewegten und bewegen sich teilweise noch in recht strengen bis gesetzlichen Gemeinden.
Machen wir uns nichts vor, solche Brüder und Schwestern gibt es, die den christlichen Glauben verzerren – und es dabei gut meinen. Die Frage ist vielmehr, ob der christliche Glaube tatsächlich die Freiheit bringt, nach der sich die meisten Menschen sehnen? Kenner der Bibel werden hier automatisch an Galater 5,1 denken, in dem festgehalten wird: “Zur Freiheit hat Christus uns befreit!” Auch wenn diese Aussage primär die Frage “Gesetz und Evangelium” behandelt, geht sie doch weiter – nämlich direkt hinein in das alltägliche Leben. Und tatsächlich berührt der Galaterbrief den tiefsten Punkt, den alle umtreibt (Christen wie Nicht-Christen): sich nicht knechten lassen und sich nicht gefangen nehmen lassen zu müssen. Auch nicht von sich selbst.
So gesehen hat Christus, also Jesus, tatsächlich ein Gesicht, das zur heutigen Freiheitserfahrung passt. Ja, gerade zu unserer heutigen Freiheitserfahrung. Doch das muss nur öfters und besser kommuniziert werden. Das “Bodenpersonal” ist menschlich, nur allzumenschlich, und gibt dem Ganzen das Gesicht des Christentums. Vielmehr gilt eben immer noch: Will ich jemanden kennen lernen, muss ich ihn persönlich kennen lernen. Nicht anders ist es mit Jesus, der uns zur Freiheit befreit hat.
(Foto: Flickr – Lauren Randolph [laurenlemon])
Die Fröschlein in der Sahne
Im letzten Eintrag ging es um Geschichten erzählen in der Beratung. Heute gibt es eine Geschichte, die sehr schön auch in die Beratung eingebaut werden kann. Die Geschichte von den Fröschen in der Sahne.
Es waren einmal zwei Frösche, die fielen in den Sahnetopf.
Sofort dämmerte ihnen, dass sie ertrinken würden: Schwimmen oder sich einfach treiben lassen war in dieser zähen Masse unmöglich. Am Anfang strampelten die Frösche wie wild in der Sahne herum, um an den Topfrand zu gelangen. Aber vergebens, sie kamen nicht vom Fleck und gingen unter. Sie spürten, wie es immer schwieriger würde, an der Oberfläche zu bleiben und Atem zu schöpfen.
Einer von ihnen sprach es aus: "Ich kann nicht mehr. Hier kommen wir nicht raus. In dieser Brühe kann man nicht schwimmen. Und wenn ich sowieso sterben muß, wüßte ich nicht, warum ich mich noch länger abstrampeln sollte. Welchen Sinn kann es schon haben, aus Erschöpfung im Kampf für eine aussichtslose Sache zu sterben?"
Sagte es, ließ das Paddeln sein und ging schneller unter, als man gucken konnte, buchstäblich verschluckt vom dickflüssigen Weiß.
Der andere Frosch, von hartnäckigerer Natur, vielleicht auch nur ein Dickkopf, sagte sich: "Keine Chance. Aussichtslos. Aus diesem Bottich führt kein Weg heraus. Trotzdem werde ich mich dem Tod nicht einfach so ergeben, sondern kämpfen, bis zum letzten Atemzug. Bevor mein letztes Stündlein nicht geschlagen hat, werde ich keine Sekunde herschenken."
Es strampelte weiter und paddelte Stunde um Stunde auf derselben Stelle, ohne vorwärtszukommen.
Und von all dem Strampeln und die Beinchen schwingen, Paddeln und Treten verwandelte sich die Sahne allmählich in Butter.
Überrascht machte der Frosch einen Sprung und gelangte zappelnd an den Rand des Topfes. Von dort aus konnte er fröhlich quakend nach Hause hüpfen.
(Foto: Flickr – Bernd Schüttke [Maharepa])
Montag, 2. August 2010
Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte - in der Beratung
Es war Abend, als ich mit einer Bekannten und Ihrem Freund in einem Cafe saß. Das ist jetzt schon einige Jahre her. Wir unterhielten uns über dieses und jenes. Ich weiß nicht mehr genau wie es dazu kam. Ich weiß nur noch, dass ich plötzlich anfing eine Geschichte zu erzählen. Nein, ich erzählte sie nicht einfach so nach, ich lebte sie. Mitten im Cafe. Zu meiner eigenen Überraschung gab ich den Personen eine eigene Stimme. Sprach mal laut, dann mal leise. Machte Gesten, schnitt Grimassen, und selbst meine Blicke setzte ich gezielt ein. Als Erzähler war ich zu der Zeit wirklich nicht geübt. Doch ich setzte unbewusst die Pointe der Geschichte an die richtige Stelle. Ja, ich betonte sie regelrecht richtig. Denn in dem Moment schaute ich meine Bekannte an und sprach den letzten Satz, also die Pointe. Darüber war meine Bekannte so verblüfft, dass sie im Cafe fast schon sehr gut hörbar einen überraschten Laut von sich gab. Ihr Freund gab zwar keinen Laut von sich, aber an seiner Körperhaltung konnte ich sehen, dass er über den Schluss genauso verblüfft war. Ach ja… die Story habe ich aus „Das lustige Taschenbuch“ entnommen… Das lustige Taschenbuch? Ja… Entenedition… Donald Duck… (es befinden sich in manchen Taschenbüchern tatsächlich tiefergehende Geschichten, die man als suchen muss wie nach einer Perle)
Ich fand es immer irgendwie schade, dass in unserer Kultur und Zeit das Erzählen abhanden gekommen ist. Von je her faszinierten mich (gute) Geschichten. Besser, wenn sie gut erzählt worden sind. Später hörte ich immer wieder, dass Geschichten die Eigenschaft haben, dass sie im Gedächtnis haften bleiben. Aus diesem Grund habe ja Jesus auch Geschichten erzählt. Mehr noch, die ganze Bibel besteht aus Erzählungen und nicht, wie wir es sonst eigentlich erwarten dürften, aus Vorschriften und Listen.
Sollte ich sagen, dass ich kurioserweise mich an sehr viele Zeiten erinnere, in denen erzählt wurde? Und auch an sehr viele Geschichten? Eigentlich nicht. Denn kurios ist es eben nicht, dass ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, sondern natürlich.
Ich erinnere mich daran, als ich in meiner Schulzeit mit zwei Freunden gemeinsam Geschichten ausdachte und sie erzählte. Jeder „musste“ sich eine Geschichte ausdenken und sie erzählen. Natürlich versuchte jeder die andere Geschichte an Spannung und Fantasie zu toppen. Doch bei all dem gab es nie Gewinner oder Verlierer. Zumindest nicht als Erzähler. Gewinner gab es immer, denn wir hatten heimliche Zuhörer – doch das konnte man ja irgendwie nie wirklich zugeben.
Das Erzählen behielt ich bei, als ich anfing mit Jugendlichen und Erwachsenen zu arbeiten. Ich erzählte sie nicht einfach nach, ich lebte diese Geschichten. Kurioserweise entdeckte ich bei mir, dass das Geschichteerzählen bei Beratungen unterzugehen droht. Warum eigentlich? Sind es doch gerade Geschichten, die sich besser einprägen. Und auch verstehen lassen, was eigentlich los ist bzw. los sein könnte. In Seminaren erzähle ich gerne Geschichten. Das führt stets zu Aha-Momenten oder zu verblüfftem Gelächter. Und was immer wieder für mich überraschend ist: Selbst die wildesten Horden von Jugendlichen bekomme ich zahm, wenn ich Geschichten erzähle. Gleichzeitig bekomme ich gerade von den wildesten Kerlen Rückmeldung, dass diese oder jene Geschichte „wirklich gut war“ (O-Ton).
Und oftmals wurden Geschichten Freunden und Bekannten weitererzählt. Oder ich wurde gefragt wo ich meine Quellen hätte. Auch später noch, als einige Zeit vergangen war, erinnerte man sich an die Geschichten. Ja, sogar nach ein paar Jahren noch.
(Foto: Flickr - Mike Grenville)
Montag, 26. Juli 2010
Unser Untertitel gefällt uns nicht

Vor einigen Wochen haben wir, Dennis Riehle und ich, uns mit dem neuen Sprecher der Berater und Seelsorger für unseren Verein, Karsten Gräbnitz, getroffen. Wir trafen uns zu einem Austausch. Gleichzeitig unterhielten wir uns auch über die Öffentlichkeitsarbeit, für die er zusätzlich beauftragt worden ist. Dabei kam auch unser Untertitel "Die etwas andere Krankenkasse" noch mal zur Sprache.
So richtig zufrieden waren wir nie wirklich mit dem Untertitel. Interessant fanden wir die für uns völlig neue Sichtweise. Nämlich, dass der Untertitel u.a. Menschen abschrecken könnte, die generell an einer (Lebens-)Beratung interessiert seien. Suggeriere der Untertitel doch, dass jeder, der eine Lebensberatung oder auch Seelsorge in Anspruch nehme, krank sei. Doch das sind sie definitiv nicht automatisch. Über einen geeigneten Untertitel zerbrechen wir uns nun (wieder einmal) den Kopf.
Es ist doch leider immer noch so, dass überhaupt eine professionelle Lebensberatung in Anspruch zu nehmen eine Hemmschwelle ist. Zumindest bei denen, die es eigentlich bräuchten, bei denen aber der Leidensdruck noch nicht so stark ist. Die Wenigen, bei denen der Leidensdruck recht groß ist, und bei denen eine Hemmschwelle vorhanden ist, sind allerdings immer noch zu viel. „Das wird schon.“, mag manch einer sich denken. Oder: „Bisher ging es auch ohne“. Dahinter steckt die Angst, dass mit einem „was nicht stimmt“. Dass man ein psychologisches Problem hat. Dabei nimmt doch jeder für sich doch irgendwie Lebensberatung in Anspruch.
Gerade dieser Tage konnte man vielleicht Zeuge einer Lebensberatung gewesen sein – unfreiwillig natürlich. Als die Tage so heiß waren, und Sie vielleicht sich ein Eis oder auch ein Eis-Kaffee in einer fast überfüllten Eisdiele gegönnt haben. Gesprächsfetzen wie solche werden Sie sicherlich kennen: „Du, neulich, da…. Meinst Du ich sollte…? Oder eher…?“
Auch und gerade weil wir als Berater immer wieder mit der Hemmschwelle einer Lebensberatung konfrontiert werden, wollen wir als Verein die Hemmschwelle dafür stark mindern. Schöner wäre es natürlich, diese Hemmschwelle ganz ausmerzen zu können. Daher ist für uns demnächst verstärkt Kopfzerbrechen angesagt. Für Anregungen, Ideen, Vorschläge, was immer es gibt, sind wir voll und ganz offen – und sehr dankbar.
Samstag, 24. Juli 2010
Wir wissen, wen wir sicherlich nicht vermitteln werden...
Dienstag, 20. Juli 2010
Wie wir kommunizieren werden... wollen...
Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie vielleicht ein lustiges oder auch interessantes Bild unbedingt jemandem per E-Mail schicken mussten? Oder gar eine PowerPoint-Präsentation? Wie mühsam es war, die Mail zu schreiben, die Datei zu suchen und anzufügen, die E-Mail-Adressen rauszusuchen und auf „Senden“ zu klicken. Dann zu beobachten wie die E-Mail durch das Modem ächzt und keucht, und es dann endlich nach gefühlten Stunden geschafft hat. Ach nein, beim Empfänger geht dasselbe Prozedere noch mal von vorne los…
Wie schön wäre es gewesen, wenn wir ein Bild, eine Präsentation oder auch einen Film im Web gefunden haben, das einfach von der Seite aus direkt an unsere Freunde oder Kollegen weiter zu verlinken? Vielleicht gar mit einem kurzen Kommentar versehen. Alles mit nur einem Klick. Und nicht nur das. Andere können auch sehen, was ich besonders gelungen oder gut finde. Wie oft kam der Wunsch schon vor, als Sie mal einen sehr guten Artikel gelesen haben? Eben, dass es nicht nur Ihre Freunde oder Kollegen davon erfahren, sondern auch andere, womöglich deren Freunde und Kollegen. Sehr wahrscheinlich ist es jedem schon so ergangen.
Heute gibt es tatsächlich diese Möglichkeit. Vielleicht haben Sie beim Lesen auch gleich an Facebook gedacht. Eventuell auch noch an Twitter. Die Möglichkeiten im Web, anderen etwas mitzugeben und mitzuteilen sind enorm gewachsen. Manch einen erschlagen die Begriffe gar: Facebook, Wkw, Kwick, youtube, Flickr, Slideshare, MSN, Stubleupon, Digg, und wie die alle heißen. Wer blickt als da noch durch? Manch einer sieht darin nur sinnlose Zeitverschwendung, andere sehen darin eine willkommene Möglichkeit einer Freizeitgestaltung, und wieder andere sehen darin hilfreiche Werkzeuge – pardon: Tools.
Auch wir sehen in diesen medialen Möglichkeiten hilfreiche Werkzeuge. Derzeit sind wir im Gespräch, wie wir diese Tools sinnvoll einsetzen und anwenden können. Denn zu unseren Haupt-Aufgaben gehört auch ein Netzwerk von und für Berater, Therapeuten und Interessierten. Das heißt, dass wir regelrecht kommunizieren wollen. Deswegen haben wir uns überlegt, dass wir demnächst eine Seite in Facebook eröffnen wollen. Doch wir verfallen nicht in blinden Aktionismus, sondern wollen sinnvoll und effektiv mit diesen Werkzeugen arbeiten.
Wir sind natürlich über Anregungen im Umgang mit diesen Medien offen und dankbar. Im Moment ist die Möglichkeit uns Anregungen zu geben noch auf „altmodischem“ Weg möglich: per E-Mail. Falls jemand schon in Facebook ist. Ich, Peter Varsek, bin schon dort. Wer mich adden will (neudeutsch für „in den Kontakt aufnehmen“), kann mir gerne eine „Freundschaftsanfrage“ schicken. Dann sind derzeit auch Anregungen über diesen Kanal möglich: www.facebook.com/peter.varsek.
(Foto: Gary Hayes; Flickr)
Donnerstag, 15. Juli 2010
In eigener Sache: bloggen...

Fast schon ein Jahr ist vergangen, seit wir das letzte Mal hier was reingestellt bzw. geschrieben haben. Und seither war es ruhig bei uns... zumindest online... und auch nach außen hin. Zugegeben, wir sind mit einem gewissen Eifer und Engegament an die Aufgaben gegangen, als wir die Christliche Lebensberatung e.V. übertragen bekommen haben. Wir, das sind Dennis Riehle und ich, Peter Varsek. Das war vor etwa zwei Jahren. Innerhalb dieser Zeit hat sich einiges getan.
Weiterhin sind wir mit Eifer und Engagement dabei. Ideen sprudeln nur so aus uns heraus. Leider stoßen wir dabei ganz schnell an unsere Grenzen. Einmal spielt hier mal wieder das liebe Geld eine Rolle. Und einmal könnten wir Personal gebrauchen. Aber auch hier spielt teilweise das liebe Geld eine Rolle. Und einmal liegt es einfach an der Zeit. Da wir diese Arbeit ehrenamtlich machen, sind wir auch gezwungen zu schauen, dass wir über die Runden kommen. Rechnungen wollen auch bezahlt werden. Und von Luft und (Nächsten-)Liebe kann nachweislich kein Mensch leben.
Ob uns das frustriert? Manchmal. Trotzdem mussten wir das Wort "Frustration" im Duden nachschlagen. Denn die Grenzen bringen uns gerade auf Ideen. Nur hat das manchmal den Nachteil, dass wir dann vor so vielen Ideen stehen, die wir unmöglich alle angehen und umsetzen können. Sicher, eine Strategieplanung muss her. Die machen wir uns ständig. Und ständig werden sie entsprechend optimiert.
Wir müssen erkennen, dass auch die Arbeit im Verein und mit dem Verein seine Zeit braucht. Uns hat es gut getan, dass wir uns an Prediger 3 erinnert haben. "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde." (Koh 3,1 - LU ´84). Das hat uns soweit geholfen, dass wir unsere Aufgaben nun mit einer gewissen Gelassenheit angehen.
Einige Strategien haben wir entwickelt. Die sind zum Teil bereits im Einsatz. Manche werden noch umgesetzt. Lassen Sie sich überraschen. Ja, auch wir lassen uns überraschen, und freuen uns jetzt schon auf die Entwicklungen.
Donnerstag, 6. August 2009
Pflegende Angehörige in der (meiner) Demenz Beratung
Pflegende Angehörige - Angehörige, die jemanden zu Hause begleiten, betreuen, pflegen. Die das Eheversprechen halten, in guten und in bösen Tagen treu zu sein, „bis der Tod uns scheidet". Die das 4. Gebot halten, Vater und Mutter zu ehren, „auf dass es dir wohl gehe und du lange lebest in dem Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird". Praktizierte Nächstenliebe!?
Die Realität: Es wird gehandhabt, aus Pflichterfüllung oder Selbstverständlichkeit oder anderen Motiven. So jedenfalls scheint es. Wenige machen sich vorher über diese eventuell auf sie zukommende Lebenssituation Gedanken.
Es beginnt irgendwann und irgendwie: „ Ich schaff das schon!" Und dann geht einem plötzlich alles auf die Nerven. Immer wieder dieselbe Frage und dasselbe Verhalten. Alles reden und überzeugen, dass es nicht ist, wie es ist, ist vergebliche Mühe. „ Absicht", „will mich ärgern", „könnte ja noch, will aber nicht", „dieses Chaos in der Wohnung", „lässt sich nicht helfen", „und dann diese Beleidigungen", „diese Beschimpfungen", Aggressionen, „es reicht, so geht es nicht weiter!"
An dem Punkt angekommen, greift man vielleicht zum Hörer und bucht einen Beratungstermin bei mir, nachdem der erste Frust im Telefongespräch schon ausgeschüttet worden ist.
„Mein Angehöriger hat Demenz. Er verlegt alles, lässt sich nicht helfen. Behauptet, das mach ich schon; kauft mehr ein als er braucht; sitzt nur noch herum; fragt 100 mal dasselbe; wird aggressiv, beschuldigt mich oder andre Geld geklaut zu haben".... so oder so ähnlich kommen Angehörige zu mir in die Beratung.
Zuhören, nachfragen, bestätigen, Raum und Zeit zum Abladen geben. „Wes des Herz voll ist, dem läuft der Mund über" (Lukas 6,45). Es geht um den, der nicht bei mir sitzt, den Anderen, der verändert werden soll. Irgendwann im Gespräch kommt die Wende. Dann geht es um mein Gegenüber, um seine Einstellung zur Situation, sich ihr zu stellen. Bereit sein zu lernen mit ihr umzugehen, und die Beziehung zum anderen für sich zu klären. Den persönlichen Einstellungswert zu finden und Erlebniswert zu entdecken. Den schöpferischen Wert in dieser Lebenssituation zu entwickeln – dem ganzen die Basis der Achtung und des Respekts – der Liebe zu geben. Sich selber zu verändern - wenn er will.
Validation und Logotherapie helfen hierbei Wegweisung zu geben. Zunächst heißt es jedoch, mein Gegenüber wahrzunehmen, und ihm empathisch zu begegnen.
„Das will ich mir schreiben in Herz und Sinn, dass ich nicht nur für mich alleine auf Erden bin, dass ich die Liebe von der ich lebe, liebend an andere weiter gebe"!
Heidrun Mildner ist kommissarische Sprecherin der beratenden SeelsorgerInnen im Vorstand der Christlichen Lebensberatung e.V.
Sie ist Lebens-, Sozial- und Validationsberaterin und arbeitet bei den "Herforder Herzen" in der Demenz-Beratungsstelle. Heidrun Mildner kann unter validation@herforderherzen.de erreicht werden.
Donnerstag, 9. Juli 2009
"Was willst Du, das ich Dir tue?"
Ein persönliches Statement von Bernd Müller
Je mehr ich mit Menschen rede, desto mehr fällt mir auf, dass eine ganzheitliche Betrachtung vom Mensch-sein und seinen Schwierigkeiten gewünscht wird. Erfahren wird aber immer wieder, dass der Mensch in seine einzelnen Bestandteile "zerlegt" wird. Das bedeutet ganz konkret, das bei Schwierigkeiten entweder der Körper angeschaut wird, oder die Seele oder das Glaubensleben. Biblisch jedoch, so wie ich es verstehe, ist es den Menschen immer als ganzes anzusehen. Die Schwierigkeiten mögen im Einzelnen jeweils schwerpunktmäßig in einem der genannten Bereiche liegen, sie sind aber immer im Zusammenhang zu sehen. Das ist mir für die Gespräche und die Arbeit mit Klienten besonders wichtig. Es mag manchmal sein, dass Probleme für einen Therapeuten ganz offensichtlich erscheinen, dennoch kann es sein, dass dem Ratsuchenden im Moment ganz andere Dinge wichtig sind.
Zentral ist da für mich der Abschnitt in der Bibel in Mt.20, 31-33: Zwei Blinde sprechen Jesus an und bitten ihn, das er sich ihrer erbarme. Nun ist es offensichtlich, dass diese beiden blind sind. Da ist es nahe liegend, zu denken, sie möchten gerne sehen können. Im Text verhält es sich dann auch so.
Doch was für mich ganz entscheidend ist, ist wie Jesus auf ihre Bitte nach Erbarmen reagiert. Er fragt sie: "Was wollt ihr das ich für euch tun soll?" Die Entscheidung wie ihnen geholfen werden soll, bleibt bei ihnen. Jesus kommt nicht von oben herab, als großer Lehrmeister für den ja offensichtlich ist, was diese beiden brauchen. Nein, er fragt sie. Stellen Sie sich vor, diese beiden Blinden hätten um etwas zu essen gebeten. Ich persönlich glaube, Jesus hätte dieser Bitte entsprochen. Das ist für mich ein grandioses Beispiel für Respekt und Wertschätzung.
Jesus konzentriert sich nicht auf vermeintlich offensichtliche Dinge, sondern er sieht diese beiden ganzheitlich an und fragt nach ihren Bedürfnissen.
In diesem Sinne verstehe ich Beratung oder Hilfe als etwas, das zuerst den anderen wahrnimmt und ihn dann fragt, was er braucht. Die Antworten können vielfältig sein. Kreatives Mit-Denken ist gefordert, um sich auf die Welt des anderen einzulassen und ihm in seinen Bedürfnissen zu begegnen. Da können dann auch Lösungen zu Stande kommen, die so vielleicht nicht vorhersehbar sind. Lassen Sie sich inspirieren quer zu denken und empathisch mit zu gehen mit Ihrem Gegenüber. Das ist für mich dann ganzheitlich biblisch.
Dienstag, 2. Juni 2009
Dilemma in der christlichen Beratung?!
Ein Artikel von Dennis Riehle
Nicht nur beim aktuell oft diskutierten Thema der Homosexualität stellt sich bibeltreuen und geschichtlich-kritischen Theologen die Frage: Ist das wirklich Sünde? So, wie Gott sie auch versteht? Und nicht nur das: Was tun, wenn man einen "Fehltritt" als Sünde "entlarvt" hat?
Gerade auch christliche Berater scheinen hier vor einem Dilemma zu stehen: Kann man einem Klienten zumuten, ihm zu offenbaren, dass das von ihm Geschilderte Sünde ist? Denn auch wenn wir wissen: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein" (nach Joh 8,7) - wir also alle beladen sind mit Schuld und Pein -, ist es immer wieder schwierig einzugestehen, ein Sünder zu sein.
Verbinden wir doch bis heute mit der Sünde ein Vergehen gegen die Gebote. Und bereits im Alten Testament war klar: "Wenn ein Mann oder Weib irgend eine Sünde wider einen Menschen tut und sich an dem Herrn damit versündigt, so hat die Seele eine Schuld auf sich" (4. Mose 5,6).
Ja, Schuld auf der Seele. Diese tragen wir auch weiter - selbst wenn wir Vergebung erfahren haben. So sieht es zumindest die feministische Theologin Klara Butting, die auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen sprach. Sie führte aus, dass "Gott in der Vergebung zwar die Sünde des Einzelnen beseitige", allerdings, so machte sie deutlich, blieben "die unheilvollen Konsequenzen der Schuld wie etwa Ungerechtigkeiten jedoch bestehen" (idea online berichtete am 23. Mai 2009).
Das sagt noch nichts darüber aus, was Sünde ist - und wann Sünde beginnt. Gehen wir aber nach Interpretationen, die bereits in der Schöpfungsgeschichte ansetzen, so werden wir in der Nachfolge Adams und Evas ohnehin nicht mehr rein werden können. Die "Erbsünde", die uns bis heute das törichte Verhalten nach (Neu-)Gier vorhält, belastet uns dauerhaft. Wir tragen Schuld der ersten Menschen - und können bereits daher mit Sünde leben. Denn was zählt es schon, auf die "Erbsünde" noch die ein oder andere im laufenden Leben aufzusatteln - mag sich jemand fragen, der auch in der von der Kirche heute oft gelebten Sorglosigkeit schwebt. Klara Butting formulierte, es heiße in der christlichen Verkündigung mittlerweile "Bekenne deine Sünde, dann erhältst du Vergebung und alles ist gut".
Und tatsächlich hat die Praxis besonders der katholischen Kirche in der Vergangenheit mit der Schuld des Menschen ihr Unwesen getrieben. "Der Taler im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt" - eine einfache Art, sich von seiner Sünde freizukaufen. Luther brachte hier eine Kehrtwende. Und keinesfalls schloss er sich an, den Menschen von heute für das zu strafen, was im Paradies schief gelaufen war. Nein: er machte uns klar, was wir auch in den Psalmen zu lesen bekommen: "Denn ich erkenne meine Missetat und meine Sünde ist immer vor mir" (Psalm 51,5).
Wenn wir ernsthaft spüren, was unser Vergehen war und dies bereuen, können wir darauf hoffen, die Schwere der Schuld von uns genommen zu bekommen. Die Sünde wird uns begleiten. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass wir von ihr rein gewaschen werden (Psalm 51,4). Das bedeutet nicht, dass wir fortan frei von dem sind, was wir getan haben. Nein, aber wir dürfen wissen, dass einer mit uns die Schuld trägt. Und nach dem Sprichwort "Geteiltes Leid ist halbes Leid" empfinden wir eine deutliche Entlastung. Gott haben wir uns anvertraut. Wir waren mutig, wir sind zu unseren Fehlern gestanden. Das ist die eigentliche Stärke: Es ist wahrlich kein Verdienst, seinen letzten Cent für die Vergebung zu opfern. Aber es spricht von großer Würde, seine Sünde vor sich zu sehen und ihr nicht zu entweichen.
Denn zwischen Hiobs "Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde" (Hiob 33,9) und dem vom evangelischen Theologen Jörg Zink ebenfalls auf dem Kirchentag zurecht kritisierten jahrhundertelange Pauschalisieren des Menschen als "notorischen Übeltäter" (idea spektrum berichtet in Ausgabe 22/2009, S. 18) durch das, was der Sündenfall über uns gebracht haben soll, liegt ein großer Zwischenraum. Ein Zwischenraum, der wirklich menschlich ist.
Und wenn wir uns diesen Spielraum zugestehen, dann ist auch die Frage nach dem "Was ist Sünde?" zweitrangig.
Als Berater müssen wir uns nicht vor der Begrifflichkeit der Sünde verstecken. Wir selbst sind von ihr befangen. Und auch wir müssen sie tragen. Aber wenn wir sie in einem richtigen Maß einordnen, weder als Erblast, noch als automatisch zu vergebendes Anhängsel, dann wird Sünde auch sinnvoll. Sie ermahnt uns, macht uns aber auch Hoffnung auf Annahme durch Gottes - und allein durch seine - Vergebung.
Denn auch nur er allein weiß, was er uns vergeben muss. Seine Richtschnur sind die Gesetze, die er uns vorgegeben hat. Sie sind klar - und sie schützen auch. Nicht alles, was unsere menschlichen Werte als Schuld abtut, ist aus seinem Blick ein Übertritt. Genauso gilt es umgekehrt: Auch wenn wir uns heute um Gebote wie das der Heiligung des Feiertages mit Ausreden und Rechtfertigungen winden, stellen sie doch ein Abwenden von Gottes Plan dar. Hierfür müssen wir uns zwar irdisch nicht verantworten, aber es mit uns selbst ausmachen, wie wir leben möchten. Gott schenkt uns seine Hand, er überträgt uns aber auch reichlich Verantwortung. Ein Ausspielen Gottes, ihn dann zu nutzen, wenn wir ihn brauchen - und uns mit Herabspielungen à la "Wird schon nicht so schlimm sein..." aus seinem Willen zu entziehen, könnte eine der verhängnisvollsten Sünden sein.
Und so kann die Botschaft jedes sündigen Beraters an jeden sündigen Klienten lauten: Verantworte dein Leben, so kannst du es auch vor Gott verantworten. Sünden sind da, aber sie müssen dich nicht schwächen, solange du mit dir selbst und mit deinem Glauben ehrlich umgehst.
(Bild: www.pixelio; SaraC.)
Mittwoch, 27. Mai 2009
Krisenzeit: Ein Prozess wird spürbar
Ein Artikel von Peter VarsekEin Mensch kam zu einem Meister und wünschte Heilung. Der Meister fragte ihn: „Willst du wirklich Heilung?“. Der Mensch wunderte sich über diese Frage: „Wenn ich es nicht wollte, würde ich mir dann die Mühe machen zu kommen?“ „Oh ja, die meisten Menschen tun das.“, antwortete der Meister. „Wozu?“, wollte der Mensch wissen. Der Meister schaute den Menschen an und sagte: „Nicht wegen der Heilung kommen sie, denn sie tut weh. Sie kommen, um Erleichterung zu finden.“ Später erklärte der Meister seinen Schülern das wirkliche Problem: „Menschen wünschen sich Heilung ohne Schmerzen. Das ist das gleiche wie solche Menschen Fortschritt ohne Veränderung wünschen.“
In der Beratung bzw. Therapie haben wir es mit Heilung zu tun. Wir wissen, dass Heilung ein Prozess ist, der aber immer mit Schmerzen verbunden ist. Wir wissen auch, dass das dazugehört und es heilsam ist. Geduldig begleiten wir diese Menschen in ihrem Prozess und machen Mut weiterzugehen. Das Ganze ist auch eine Reise, dessen Ankunft sich nie genau vorhersagen lässt. Ebenso wenig wissen wir, wie es anschließend konkret aussehen wird. Zwar haben wir so unsere Vorstellungen und Ahnungen, doch wissen können wir es nicht. Eines wissen wir mit Sicherheit: Es ist nie umsonst.
Zurzeit werden wir täglich in den Medien mit der Finanzkrise auseinander gesetzt. In manchen Blättern herrscht wahre Weltuntergangsstimmung, was nicht wirklich hilfreich ist. Denn es versperrt den Blick auf das Ganze. Bevor wir also zu schnell feststellen wollen, dass wir gerade das Strafgericht Gottes durchmachen, sollen wir uns fragen, ob das nicht einfach ein Wandlungsprozess ist? Ein Prozess, der sicherlich schmerzt. Ertappen wir uns dabei nicht als Patienten bzw. Klienten, die sich eine Abkürzung ohne Schmerzen wünschen?
Die Weltwirtschaftskrise hat m.E. reinigenden Charakter. Das Ganze erinnert hier ein Stückweit an das Jobeljahr, auch Erlassjahr, in 3. Mose 25,10ff. Zwar geht es darin, um die Freilassung der Sklaven und die Rückkehr der Besitztümer an den eigentlichen Eigentümer. Doch im Kern geht es hier um die Herstellung von Verhältnismäßigkeit. Das Jobeljahr fand jeweils nach sieben Sabbatjahren statt. Der Grundgedanke vom Sabbat ist der Ausgleich. Betrifft das Sabbatgebot im Dekalog, den zehn Geboten, quasi den Einzelnen und das unmittelbare Umfeld (Familie, Arbeiter im Haus, und Tiere), so fand im Sabbatjahr eine Ausweitung statt. Nicht allein das Aufhören der Arbeit, so auch der hebräische Begriff schabbat (vgl. Ex 23,12), stand allein im Vordergrund, sondern auch seine Wiederherstellung. Im wöchentlichen Sabbat und im Sabbatjahr galt die Wiederherstellung der vollständigen Harmonie von Mensch und Natur (vgl. Erich Fromm: Haben oder sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. München ³³2005, 69.), aber auch der eigenen Kräfte und Ressourcen. Im Jobeljahr fand die Wiederherstellung darin statt, dass Schulden erlassen wurden, und Besitz zu ihren eigentlichen Eigentümern zurück kam.
Unsere derzeitige Angst liegt tiefer, als „nur“ eine Krise zu durchleben. Wir erfahren, dass die Schwellenländer wirtschaftlich zunehmend die Nase vorne haben. Begleitet wird der Gedanke von der alten linear-binären Logik: Wenn es dem einen gut geht, muss es dem anderen schlecht gehen. So nach dem Motto, Wohlstand kann immer nur auf Kosten der anderen gehen. Oder auch: Wenn andernorts der Wohlstand gelingt, bedroht sie unseren Wohlstand. Nur wer genauer hinschaut, wird feststellen, dass diese Logik so nicht mehr stimmt. Richtig ist: Schwellenländer haben aufgeholt bzw. sind im Aufholen, und 3. Welt-Länder holen ebenfalls mächtig auf. Wie sonst ist zu erklären, dass Mosambik 2002 nach der Elbe-Flut in Deutschland mit einem Benefizkonzert 300 000 Dollar für hilfsbedürftige Deutsche einbrachte? Ein Land, das sich 20 Jahre lang in einem Kalten-Krieg-Stellvertreterbürgerkrieg befand, das ca. vor zehn Jahren zu Ende ging, und nun im Wirtschaftswachstum immer wieder die 10 %-Marke überschreitet (vgl. Matthias Horx: Anleitung zum Zukunftsoptimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird. München 2009, 93.). Damit wird bei genauerer Betrachtung deutlich, dass insgesamt, global, eine Angleichung des Wohlstands statt findet. Und diese Angleichung ist eine Veränderung von Altem. Von Altem, das auf dem Prinzip „auf Kosten der anderen“ baute.
Wir durchleben Veränderungen. Und das schmerzt. Was sich bisher an Strukturen bewährt hatte, bewährt sich heute nicht mehr. Vieles verlagert sich. Vieles verschiebt sich. Hilfreich ist hier anzupacken, und zu helfen, dass andere Möglichkeiten und Chancen sehen und erkennen. Auch und gerade als Berater bzw. Therapeuten. Mit Franklin D. Roosevelt: „Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, und dort wo du bist.“ Oder wenn hier schon ein Politiker zitiert wird: „Gib nie, nie, nie, nie auf.“ (Winston Churchill; übrigens der ganze Inhalt einer seiner Reden).
(Bild: www.pixelio.de, Gerd Altmann)
Donnerstag, 21. Mai 2009
Kommentar zur anhaltenden Auseinandersetzung um den APS-Kongress
Dennis Riehle, der 1. Vorsitzende, hat einen Brief zur anhaltenden Auseinandersetzung um den APS-Kongress in Marburg geschrieben. Das Schreiben wurde auch im Christlichen Informationszentrum (MEDRUM) veröffentlicht. Hier veröffentlichen wir Ihnen das Schreiben auch:(MEDRUM) Nein, im Orchester sind wir nicht. Und trotzdem hat es etwas mit Instrumentalisieren zu tun, wenn man sich in den vergangenen Wochen ansieht, was aus einem zunächst alltäglich wirkenden Kongressangebot geworden ist. Man braucht auch keine Violine, keine Pauke und keine Flöte, um erkennen zu können: hier wurde instrumentalisiert.
Innerhalb kürzester Zeit war es geschehen. Da wurde aus dem "roten Faden im Leben", den die Veranstaltung in der menschlichen Identität sieht und thematisieren wollte, kurzerhand ein Schlachtfeld aus Meinungsfreiheit, Schwulsein und "Reparativtherapie". Homosexuellen-Verbände, "sexistische Initiativen" und Politiker linker Parteien überboten sich im Kritisieren und Pauschalisieren. Anlass sind einige wenige eingeladene Referenten auf dem Kongress, die in der Vergangenheit durch schwammige Aussagen zur Veränderung der Homosexualität auf sich aufmerksam gemacht haben. Eigentlich stand es gar nicht auf dem Spielplan, bei Identität auch über Ausprägungen unterschiedlicher Sexualität und ihre Wandlungsfähigkeit zu sprechen. Doch die empfindsam-empfindlichen Fühler vieler immer wiederkehrender Lobbyisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, der "Homophobie" der "evangelikalen Bewegung" ein Ende zu setzen, tasteten schnell in der von der "Akademie für Psychotherapie und Seelsorge" ausgerichteten Veranstaltung in Marburg ein neues Pulverfass. Nach dem Versuch, das "Christival" als "menschenfeindlich" zu boykottieren, ein neuer Vorstoß, die Provokation an den Anschlag zu bringen.
In die Debatte mischten sich schnell Stadt, Land und engagierte Persönlichkeiten ein - "Freiheit und Selbstbestimmung" proklamierten sie und forderten, dass Meinungsfreiheit in Deutschland geschützt bleiben müsse.
Letztendlich erreicht der APS-Kongress durch die Diskussion einen ungeahnten Stellenwert. Und zweifelsohne muss man feststellen, dass nicht jede Aussage des DIJG oder von "wüstenstrom" eindeutig bewertet werden kann. Einig waren sich aber Veranstalter als auch Kritiker: Homosexualität ist keine Krankheit und bedarf keiner "Reparatur".
Doch trotzdem bleibt ein Konflikt: Während LSVD und andere Bündnisse am liebsten das kritiklose Annehmen homosexueller Neigungen durch Christen herbei zaubern würden, machen nicht nur Evangelikale darauf aufmerksam, dass für sie jeder Mensch gleichwertig ist. Dass nach konservativ-bindender Bibelauslegung homosexuelles Verhalten dagegen sündhaft sein muss, bringt dagegen die Liberalen auf die Palme. Dabei liegen alle Seiten doch weit weniger auseinander, als man vermuten mag. Gott liebt die Menschen, er hat sie als seine Ebenbilder geschaffen. Das besagt bereits der Schöpfungsbericht und nimmt damit allen Sprengstoff von "Menschenunwürdigkeit" und "Ausgrenzung".
Die überwiegende Mehrheit der evangelikalen Christen trifft sich in dem Standpunkt, wonach Menschen, die mit ihrem sexuellen Empfinden überfordert sind - und hierbei gilt dies nicht nur für homosexuelle Veranlagungen -, eine Anlaufstelle und behutsame Gespräche bedürfen, um sich zunächst einmal des eigenen Willens bewusst zu werden. Ziel einer solchen Beratung kann nie der Wechsel in eine andere Sexualität sein. Diese Anspruchshaltung und oftmals unterstellte Absicht gegenüber christlichen Beratern kann schon alleine deshalb nicht funktionieren, weil uns die Bibel ausdrücklich auch darauf hinweist, dass wir Menschen eigenständig handeln und denken können. Auch das lehrt uns das 1. Buch Mose. Und wer sich daran hält, wird keinem Homo- oder Heterosexuellen zu einem Wandel seiner sexuellen Orientierung verhelfen wollen. Das Annehmen des Selbst und das sich Klarwerden über den Weg, den man gehen, und die Erfüllung, die man erreichen möchte, liegen allein in den Händen jedes Einzelnen. Die begleitende und (durch-)tragende Seelsorge hat viel eher die Aufgabe, diese Eigenreflexion zu stärken.
Und wie jeder Mensch mit einem Lebensproblem heute den Coach aufsucht, um sich aus der Schuldenfalle zu stoßen, so muss einem Menschen, der durch seine Empfindungen und die unerfüllbaren Sehnsüchte leidet, der Zutritt zu christlichem Geleit offen stehen.
Das ist Menschenwürde - und muss im Interesse aller liegen, die sich momentan die Köpfe am Geigenkasten anschlagen.
Sie können die Veröffentlichung bei MEDRUM selber sehen, klicken Sie einfach folgenden Link: MEDRUM: Zur anhaltenden Auseinandersetzung um den Kongress.
(Bild: Screenshot)
Montag, 26. Januar 2009
Wer blickt da noch durch? - Coaching, Beratung, Seelsorge, Therapie
Ein FachartikelVon Dennis Riehle
Nicht selten klingelt bei mir das Telefon Sturm, wenn gerade die Wartezeiten der ortsansässigen Psychotherapeuten exorbitant hoch sind. Oftmals verzweifelt rufen Menschen an, die eine Überweisung zu einem Therapeuten bekommen haben, sich aber mit monatelangem Warten abfinden müssen. In der Hoffnung, ihren Schein bei mir einlösen zu können, gilt die erste Frage jedoch trotzdem der Unsicherheit: "Wird Ihre Beratung denn auch von der Kasse bezahlt?".
Dies ist zwar ein Unterschied, mit Sicherheit aber nicht der wesentlichste, wenn sich Psychotherapie und Psychologische Beratung gegenüberstehen. Nur sehr selten kann ich bei Laien feststellen, dass ihnen auch die inhaltichen Differenzen der verschiedenen Methoden zur Lebensgestaltung bekannt sind. Nicht verwunderlich: Denn gerade das Gebiet der Beratung ist nicht nur eine eher moderne Erscheinung, sondern kann sich auch der Bekanntheit unter der breiten Bevölkerung nicht sicher sein.
Psychotherapien, die bis heute im ländlichen Raum stigmatisiert und für Vorurteile genutzt werden, lassen auch dem Feld der Psychologischen Beratung nicht immer einen positiven Beigeschmack übrig. Die Beratung bedarf keiner dringenden klinischen Indikation, um in Anspruch genommen zu werden. Bereits im Feld des Klientels zeigt sich, dass Therapie und Beratung unterschiedlich arbeiten. Werden Psychotherapien in der Regel bei psychischen Krankheitsbildern zurate gezogen, steht die Beratung prinzipiell jedem offen.
Klienten, die sich in eine psychologische Beratung begeben, befinden sich häufig in Lebenskrisen: Sie suchen nach ihrer eigenen Persönlichkeit, fühlen sich ausgepowert und überlastet oder haben nach einschneidenden Erlebnissen den Blick auf das Wesentliche verloren. Während die Psychotherapie auf zwei wesentliche Vorgehensweisen setzt (tiefenpsychologisch-analytisch oder verhaltenstherapeutisch), zählt die Beratung oft zu den Heilweisen, da sie sich neuartiger Formen der Reflexion bedient - wie beispielsweise des NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) oder des SKT (Soziales Kompetenztraining).
Patienten berichten, dass sie in der Therapie eher den Eindruck gewinnen, auf ein festgesetztes Ziel hinzuarbeiten und dabei von den Therapeuten getragen werden, wogegen sich Klienten in einer Beratung das bloße Ziel der Rückkehr auf sichere Lebenswege durch Richtungsweisungen des Berater selbst erarbeiten.
Nicht selten warten Berater zudem für ihre Klienten mit besonderen Arbeitsweisen auf - angefangen von gestalterischer oder musischer Pointierung bis hin zu Behandlungsformen der Hypnose, der Kognition und Exposition oder der Heilpraktik.
Berater greifen häufig auf ein sehr viel größeres Repertoire zurück und stehen daher allerdings auch in der Kritik: unseriös seien sie und von der Scharlatanerie nur schlecht abzugrenzen, wird spitz formuliert. Die Psychologische Beratung stellt keinesfalls eine Konkurrenz zur Psychotherapie dar, räumt aber mit dem Klischee aus, dass Lebensprobleme nur durch Selbsthilfe bewältigbar wären.
Hingegen stellt das in den USA bereits zur "Weltanschauung" heraufgehobene Coaching nochmals andere Schwerpunkte voran. Böse Sprichwörter sagen, jeder zweite Amerikaner hätte heute bereits seinen eigenen Coach. Und tatsächlich scheint dieser Gedanke nicht allzu abwegig, betrachtet man den Sinn und Zweck dieser besonderen Form von Unterstützung. Coaching, das heute oftmals den Zusatz "Personal" erhält, deutet darauf hin, dass ein Trainer dabei hilft, den persönlichen Rhythmus und Alltagsablauf unter die Lupe zu nehmen und mit den richtigen Tricks und Kniffen nicht nur dem gestressten Manager, sondern auch der alleinerziehenden Mutter wieder Handwerkszeug zur Seite stellt, mit dem Hürden abgebaut und unüberwindbare Hindernisse überwunden werden können. Der Coach als Spiegelbild des Selbst und Katalysator zur Entschleunigung unangenehmer Dynamik.
Und nicht umsonst erhält heute die Seelsorge oder christliche (Lebens-)Beratung immer mehr einen besonderen Stellenwert. Ist doch die Sehnsucht nach Hilfe auf dem Fundament der christlichen Werte stetig gewachsen und verlangt deshalb nach neuen Angeboten neben der bekannten Seelsorge des Gemeindepfarrers. Nebenamtliche Seelsorger, ausgebildete christliche Therapeuten oder pastorale Mitarbeiter leisten Dienste, die von den Hauptamtlichen der Kirchen nicht mehr umfänglich geleistet werden können. Für viele anmutend geschieht dies meist auf der Basis von Entgelt. Doch erhält man dafür auch ein oft umfassendes Sortiment an Beistand, von der stützenden über die beratende bis hin zur durchführenden Seelsorge. Auf der Grundlage biblischen Zuspruchs lassen sich Lebenssituationen mit ganz anderen Botschaften beleuchten und Klienten erfahren Kraft, die sie von allein nicht aufbringen könnten. Im Gespräch erfahren sie nicht nur Gottes Halt, sondern auch die Ermutigung zum Glauben. Das Festhalten am Strohhalm Jesus Christus hat viele Menschen wieder aus dem Loch der Orientierungslosigkeit klettern lassen.
Ob Beratung, Therapie, Seelsorge oder Coaching: in allen Bereichen steht das Wohl des Menschen und seine Zufriedenheit im Mittelpunkt. Hierfür arbeiten alle Tätigen aus diesem Berufszweig kooperativ und ergänzend zusammen.
(Dennis Riehle ist 1. Vorsitzender der Christlichen Lebensberatung e.V., psychologischer Berater, Berater, nebenamtl. Seelsorger, Laienprediger und Gruppenleiter)
(Foto: Pixelio, Rainer Sturm)
